In der Süddeutschen Zeitung ziehen Roland Muschel und Max Ferstl sechs Lehren aus der Landtagswahl:
1. Nicht Parteien gewinnen, sondern Personen
Nachdem bereits die Wahlkämpfe von Winfried Kretschmann auf die Person konzentriert waren, wiederholten die Grünen diese Strategie auch mit Cem Özdemir. Sein Name prangte auf jedem Plakat. Seine Popularität half den Grünen. Für die Partei birgt sie indes die Gefahr, dass sie eher als ein Bündnis Cem Özdemir wahrgenommen wird, und weniger als die Grünen.
2. Wahlumfragen sind für Landtagswahlen mit Vorsicht zu genießen
Lange sahen die Grünen wie der sichere Verlierer aus, dann folgte die Aufholjagd. Umfragen sind deshalb unsicher, vor allem, wenn sie den Charakter von Oberbürgermeisterwahlen bekommen.
3. The winner takes it all
Die Wähler entscheiden sich immer später und schauen, wer Ministerpräsident wird. Für die kleineren Parteien hatte dies fatale Folgen: Die SPD marginalisiert, die FDP erstmals aus dem Landtag geflogen. Und auch die Linke wurde kurz vor dem sicher geglaubten Einzug ins Parlament gestoppt.
4. Das Regieren wird schwieriger
Das Regieren wird für die Grünen schwieriger. Betrug der Vorsprung beim letzten mal noch über acht Prozent, haben nun beide Parteien die gleiche Anzahl an Sitzen. Die CDU beklagte zudem eine Schmutzkampagne gegen ihren Spitzenkandidaten Manuel Hagel. Ihre knappe Niederlage wird sich die CDU in den Verhandlungen mit den Grünen teuer bezahlen lassen.
5. Die Oppositionspolitik wird noch schwieriger
Noch schwieriger wird es für die Opposition. Von der AfD ist keine konstruktive Oppositionsarbeit zu erwarten, diese Aufgabe wird einer marginalisierten und traumatisierten SPD zufallen. Sie muss die Regierungsarbeit begleiten und ein gemäßigtes Gegengewicht zur AfD herstellen. Es gibt Parteien, die schon an einfacheren Dingen gescheitert sind.
6. Die AfD-Anhängerschaft ist immun gegen Skandale, solange sie die AfD betreffen
Die AfD hat ihr Wahlergebnis fast verdoppelt. Die Skandale um die Verwandtenaffäre von der auch Spitzenkandidat Markus Frohnmaier betroffen war, störte die Anhänger nicht. Bei eigenen Verfehlungen sind diese offensichtlich äußerst gnädig.